{"id":34,"date":"2016-02-02T14:53:06","date_gmt":"2016-02-02T14:53:06","guid":{"rendered":"http:\/\/wahlendorf.be\/?page_id=34"},"modified":"2016-02-03T19:56:14","modified_gmt":"2016-02-03T19:56:14","slug":"geschichte-detail","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/wahlendorf.be\/?page_id=34","title":{"rendered":"Geschichte Detail"},"content":{"rendered":"<p>Obwohl auch in Wahlendorf ein Grabh\u00fcgel mit Aschenurne aus der Eisenzeit gefunden wurde, wissen wir nichts von den Anf\u00e4ngen des Ortes. Deutet das &#8222;Wahlen&#8220; auf eine vorgermanische Bev\u00f6lkerung, oder tr\u00e4gt das Dorf den Namen eines Alemannen? Nach dem Ortsnamenforscher P. Zinsli f\u00e4llt ein Walcho in Betracht. M\u00f6glicherweise haben erst die rodenden Zisterzienserm\u00f6nche die Senke urban gemacht und mit Leibeigenen besiedelt.<\/p>\n<p>In einer Urkunde von 1324 f\u00fchrt das Kloster Frienisberg den Besitz von Wahlendorf auf seinen Stifter, den Grafen von Saugern (Soyhi\u00e8res bei Delsberg) zur\u00fcck. Trotzdem fehlt der Name Wahlendorf in den fr\u00fcheren Urkunden, wo immerhin zahlreiche andere \u00d6rtlichkeiten erw\u00e4hnt werden.<\/p>\n<p>Erst 1305 und 1316 begegnen wir einem Burcardus und Uolricus de Waladorf. Die Bauern eines Klosters waren diesem den Zehnten von ihrem Feld- und Wiesentr\u00e4gern f\u00fcr die Kirche schuldig. Als Entsch\u00e4digung f\u00fcr das ihnen verliehene Land zahlden sie ferner in Geld und Naturalien den sog. ewigen unabl\u00f6sbaren Bodenzins. Dazu kamen noch weitere Lasten f\u00fcr den Leibeigenen.<\/p>\n<p>Gegen ein \u00dcbermass an Abgaben erhob sich 1324 Wahlendorf gegen das Kloster. Darauf rief der Abt Schultheiss und Rat der Stadt Bern als Schiedsrichter an. Die Verhandlungen fanden in Meikirch statt. Beweglich klagten dort die 10 ehrbaren Leute von Wahlendorf &#8222;es komme ihnen kein Korn mehr f\u00fcr vor K\u00e4lte und Schnee, Misswachs, Hagel und Unwetter.&#8220; Die Bauern von Glunggenbrunnen, wahrscheinlich einem verschwundenen Hof am Weg Ruchwil &#8211; Wahlendorf, trieben ihr Vieh in die Wahlendorfweide. Dazu musste das Dorf einen schweren Bodenzins in Geld und alten H\u00fchnern bezahlen. Dr\u00fcckend wurde auch der Zehnte, der in der siebenten Garbe bestand, neben dem Heuzehnten und dem Zehnten vom jungen Vieh empfunden.<\/p>\n<p>R. Gm\u00fcr vermutet in seiner Arbeit &#8222;Der Zehnt im alten Berrn&#8220;, diese siebente Garbe sei eine sogenannte Landgarbe, die von solchen verlangt wurde, die unbebautes Land in Besitz nahmen.<\/p>\n<p>Der Schiedspruch beschr\u00e4nkte in schlechten Jahren, wenn die Saat erfror oder Hagel fiel, die Last auf die siebente Garbe als Bodenzins und Zehnten zugleich. Seine Weide durfte Wahlendorf einz\u00e4unen, wobei sich aber das Gotteshaus freien Zugang mit seinem Vieh vorbehielt.<\/p>\n<p>Die reichen Vergabungen an das Kloster gingen im Laufe der Zeit zur\u00fcck. Am Ende des 14. Jahrhunderts befand sich das Kloster im Niedergang. \u201eWegen und leidlich grosser Geldschuld\u201c verkaufte es 1380 der Stadt Bern unter anderen Orten Wahlendorf mit Twing und Bann, d.h. dem niederen Gericht, \u201emit Zinsen und Nutzen, mit Leuten, mit G\u00fctern, was das Kloster an G\u00fctern oder Eigenleuten besessen hatte\u201c.<\/p>\n<p>Die Eigenleute von Wahlendorf, welche Bern damals mitkaufte, mussten sich freilich aus eigener Kraft aus der Leibeigenschaft l\u00f6sen. Ihre dr\u00fcckende Last war das Verbot gewesen, aus dem unfreien Stand und aus der Herrschaft hinaus zu heiraten. Mit dem Loskauf zum Preis ihres elterlichen Erbes oder ihrer Aussteuer gewannen sie auch die Freiz\u00fcgigkeit. Den Landleuten stand das Burgerrecht der Stadt Bern offen, wenn sie dort einen Hausplatz oder Recht an einem Haus erwerben konnten. Blieben sie in Wahlendorf, schuldeten sie weiterhin Bodenzins und Zehnten.<\/p>\n<p>Die Namen der Bauern aus Wahlendorf waren 1324 Claus Sterro, Jenni Kuoms, Kacki Retich, Peter Lacho, Heini Buch, Jenni G\u00fcrtelli, Jenni Willis, Wernli Berchton, Uelli Schmocho und Walter N\u00fcwikomo. Keiner dieser Namen erscheint sp\u00e4ter noch im Dorf, w\u00e4hrend in Meikirch etwa die Zwygat durch Jahrhunderte nachweisbar sind. Es ist m\u00f6glich, dass die Familien nach dem Kauf durch Bern abwanderten, weil die siebte Garbe eine st\u00e4rkere Belastung war als anderswo der zehnte. Bern erleichterte den Loskauf, weil die Stadt die Freien zum Kriegsdienst aufbieten und, wenn n\u00f6tig besteuern durfte.<\/p>\n<p>Mit der Reformation kam Wahlendorf zur Vogtei Frienisberg. 1528 waren vier Wahlendorfbauern als Zehntp\u00e4chter ins ehemalige Kloster zinspflichtig. Bendicht Sch\u00fcrer, Hans Rieder, Cuoni Sch\u00fcrer und Peter Sch\u00fcrer. Es b\u00fcrgerten sich die erm\u00e4ssigte Leistung der siebten Garbe als Zehnten und Zins, nebst H\u00fchnern, die Abl\u00f6sung des Heuzehnten in Geld und eines Pfundes Wachs ein.<\/p>\n<p>Die Bev\u00f6lkerung nahm zu. Wahlendorf versuchte, im seit 1528 staatlichen Wald seinen Landhunger zu befriedigen. Bald einmal meldete der Amtmann nach Bern, Jaggi und Peter Sch\u00fcrer h\u00e4tten gerodet und die Einschl\u00e4ge eingez\u00e4unt. Man stellte ihnen frei, die Z\u00e4une niederzulegen oder vom gewonnenen Land die \u00fcblichen Abgaben zu entrichten.<\/p>\n<p>Der Wald litt auch unter den vielen Schweinen, die zur Eichel- und Buchn\u00fcsschenmast ausgetrieben wurden. Ein grosses Gut hatte das Recht auf 12 Tiere. F\u00fcr 11 davon entrichtete der Bauer der Vogtei den sog. Holzhaber das heisst zwei kleine M\u00e4ss Hafer pro Schwein. Aber weil Wahlendorf, Baggwil und Seedorf, Lobsigen und die vier H\u00f6fe Winterswil, Allenwil, Dampfwil und Nikodei sich das sog. Acherum, diese Mast, teilen mussten und gewisse Bauern noch fremde Schweine annahmen, verf\u00fcgte der Vogt von 1646 an in mageren Jahren eine Sey, d.h. eine gleichm\u00e4ssigel Beschr\u00e4nkung der Weiderechte.<\/p>\n<div id=\"attachment_41\" style=\"width: 410px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-41\" class=\"wp-image-41 size-medium\" src=\"https:\/\/wahlendorf.be\/wp-content\/uploads\/wahlendorf_1762-400x355.jpg\" alt=\"Wahlendorf_1762\" width=\"400\" height=\"355\" srcset=\"https:\/\/wahlendorf.be\/wp-content\/uploads\/wahlendorf_1762-400x355.jpg 400w, https:\/\/wahlendorf.be\/wp-content\/uploads\/wahlendorf_1762-1024x909.jpg 1024w, https:\/\/wahlendorf.be\/wp-content\/uploads\/wahlendorf_1762-169x150.jpg 169w, https:\/\/wahlendorf.be\/wp-content\/uploads\/wahlendorf_1762-150x133.jpg 150w, https:\/\/wahlendorf.be\/wp-content\/uploads\/wahlendorf_1762.jpg 1217w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><p id=\"caption-attachment-41\" class=\"wp-caption-text\">Wahlendorf 1762<\/p><\/div>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-151\" src=\"https:\/\/wahlendorf.be\/wp-content\/uploads\/bug.gif\" alt=\"bug\" width=\"64\" height=\"64\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Obwohl auch in Wahlendorf ein Grabh\u00fcgel mit Aschenurne aus der Eisenzeit gefunden wurde, wissen wir nichts von den Anf\u00e4ngen des Ortes. 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